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Sonntag, 19. März 2017

Rezension: Feuer der Leere von Robert Corvus

Robert Corvus mausert sich allmählich zu einem von mir sehr gern gelesenen Autor. Mit der Schwertfeuer-Saga bin ich bereits in eine seiner Fantasy-Welten abgetaucht, mit »Grauwacht« ging es in die Science-Fantasy und nun verschlugen mich die Zeilen in seinen Science-Fiction-Roman »Feuer der Leere«.

Der Weltraum der Zukunft ist hart und unerbittlich. Die Erde wurde vor Jahrtausenden zerstört, die letzten Menschen ziehen als Nomaden in einem Raumschiffschwarm durch das All und ernten Planeten zur Nahrungsgewinnung ab, während sie von feindlichen Lebensformen verfolgt werden. Im Schwarm weilt auch die SQUID, ein Raumschiff, das eigentlich eine fremdartige Lebensform ist. Die Menschen an Bord der SQUID, die sie Mutter nennen, verändern sich auf seltsame Weise. Ugrôn, einer der Bewohner der SQUID, scheint auf eine ganz einmalige Weise verändert zu sein, da er eine besondere Verbindung zu Mutter hat – eine Verbindung, die ihn Wege eingehen lässt, die kein Mensch zuvor gegangen ist.


Da ich momentan ohnehin ein offenes Herz für Science-Fiction hatte, wollte ich mir dieses Buch nicht entgehen lassen. Das erste, das mir ins Auge fiel, ist ein Detail des Covers, das offensichtlich die SQUID abbildet, ein octopusähnliches Raumschiff, das sehr an die Reaper aus der Spielreihe Mass Effect erinnert. Es passt auch, da die Menschen sich ähnlich verhalten, auch wenn sie nicht vorsätzlich so extrem destruktiv dabei vorgehen. Sie sind jedoch durchaus dazu bereit, auch größere Schäden bis hin zur Vernichtung ganzer Planeten in Kauf zu nehmen, um das eigene Überleben zu sichern.

Überhaupt ist das ganze Konzept der gegenwärtigen Lebensweise der Menschen sehr spannend. Dutzende von Generationen sind auf den Schiffen geboren, lebten dort und starben schließlich auf ihnen, ohne jemals einen Fuß auf einen Planeten gesetzt zu haben. Jedes Schiff hat seine eigene Lebensform und Kultur entwickelt, aber die grundsätzliche Mentalität der Menschen insgesamt ist so anders. So etwas wie Schwerkraft, die ein planetengeborener Mensch bewusst gar nicht wahrnimmt, ist für sie ein außergewöhnliches Erlebnis und so einfache Dinge wie Wind für sie absolut fremdartig.

Dem Autoren ist es hervorragend gelungen, das zu vermitteln. Ich meine, es ist ja schon eine bemerkenswerte Leistung, während des Schreibens an solche Dinge zu denken, die wir bewusst eigentlich gar nicht mehr wahrnehmen, und dann auch immer mal wieder an den geeigneten Stellen darauf hinzuweisen, wie neuartig für die Menschen Erlebnisse wie fallendes Wasser, Wind in den Haaren oder schlicht die Gravitation am eigenen Leib zu spüren sind. Natürlich macht es Sinn, dass die Menschen des Schwarms so denken, aber ich halte es für sehr lobenswert, dass der Autor sich so gut in diese Denkweise einfühlen und sie auch dementsprechend transportieren konnte.

Natürlich gab es auch einen Erstkontakt mit einer neuen intelligenten Spezies, und Linguisten würden mit Neid auf die Technologie der Menschen blicken, die es ihnen ermöglichte, innerhalb kürzester Zeit die Sprache der neuen Lebensform zu dekodieren und eine Kommunikation zwischen beiden Seiten zu ermöglichen; wobei zugegeben das Szenario des Erstkontakts aus dem Film »Arrival« zum einen eindrucksvoller und zum anderen doch näher an einer möglichen Realität war.

Dennoch, alles weitere war doch sehr interessant dargestellt. Die Botschafterin der Menschen vermeidet beispielsweise bestimmte Mimiken, da diese als Bedrohung angesehen werden könnten. Auch werden im weiteren Verlauf verschiedene Auswirkungen dieses Erstkontakts erläutert, da die Menschheit beschließt, für eine Weile in der Nähe des bewohnten Planeten zu verweilen, um ihre Vorräte aufzufüllen und Handel zu treiben.

Leider liegen genau da ein paar der Schwächen des Buches. Der Erstkontakt verläuft erwartungsgemäß nicht ganz reibungslos. Davon sieht man aber lange nichts. Es werden zwar immer wieder Unruhen auf dem Planeten erwähnt, die von der Ankunft der Menschen ausgelöst wurden, aber viel sieht man davon nicht, bis die ganze Situation zu kippen droht und menschliche Geiseln genommen werden. Das ist ein wenig schade, weil das das ganze Szenario des Erstkontakts, und immerhin sind hier einmal die Menschen die Aliens, doch wesentlich lebhafter ausgestaltet hätte.

Dasselbe gilt auch für den Feind. Es gibt zwar am Anfang und am Ende des Buches jeweils einen Feindkontakt, aber so wirklich schlau wird man aus der Situation doch nicht. Warum genau werden die Menschen von den Giats verfolgt? Ist es wirklich wegen des Kampfes um Ressourcen? Ist der Weltraum nicht eigentlich weiß Gott nun wirklich groß genug dafür, um sich aus dem Weg zu gehen, oder läuft es auf ein ähnliches Kriegsszenario wie im »Ewigen Krieg« von Joe Haldman hinaus: Krieg, einfach weil Krieg? Leider finde ich in diesem Buch keine wirkliche Antwort darauf, aber da am Ende des Buches ein paar Dinge offen bleiben, hoffe ich auf eine Fortsetzung, auch wenn, wie ich das momentan überblicken kann, keine in Aussicht ist.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mitunter sehr mit den Charakteren durcheinander gekommen bin und einige für mich sogar sehr gesichtslos blieben; zwischenzeitlich dachte ich sogar, Koichy (ein Mann) sei die Mutter der Hauptprotagonisten Starn und Rila, auch wenn ich da wohl einfach unaufmerksam gelesen habe. Ein Glossar, wie ich es aus Corvus‘ anderen Büchern gewohnt bin, wäre hier sehr hilfreich gewesen.

Am meisten fasziniert mich an der Science Fiction jedoch die technische Seite, weshalb ich wahrscheinlich auch mit Filmen wie »Arrival« und »Interstellar« (erstgenannter ist ein hervorragender Film, der zweite sogar mein absoluter Lieblingsfilm) bedeutend mehr anfangen kann als mit »Star Wars«, »Star Trek« und Konsorten. Das schlägt sich auch in meinem Literaturgeschmack wieder. »Feuer der Leere« wird zwar durchaus treffenderweise mit dem »Wüstenplaneten« verglichen, hat aber auch viele technische und wissenschaftliche Aspekte, die der Autor sehr passend einbindet und die den Hauptteil meines Interesses auf sich zogen. Darüber zu lesen, hat mir sehr große Freude bereitet.

Auch wenn der Roman ein paar kleine Schwächen hat, hat es doch insgesamt sehr viel Spaß gemacht, ihn zu lesen. Gern sehr viel mehr davon! 


Ich danke dem Verlag für das Rezensionsexemplar und freue mich sehr auf die Lesung am Freitag! Robert Corvus wird seinen Roman am 24.3.17 auf der Leipziger Buchmesse um 11:30 in Halle 2 auf der Leseinsel Fantasy, Stand H410, vorstellen und ich werde für Leipzig lauscht dabei sein. 


Autor: Robert Corvus
Titel: Feuer der Leere
Original: Feuer der Leere
Sprache: Deutsch
Reihe: Nein
Seiten: 495
Originalpreis: 16,99€
Verlag: Piper
Genre: Fantasy
ISBN: 978-3-492-70439-7
Erscheinungsjahr: 2017

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